Prominente empfehlen

René Koch

René Koch

Star-Visagist, Leiter des Lippenstiftmuseums in Berlin-Wilmersdorf

Star-Visagist René Koch leitet das weltweit einzige Lippenstiftmuseum mit Sitz in Berlin-Wilmersdorf. Hier präsentiert er Gästen aus aller Welt seine Lippenstiftsammlung, darunter skulpturale Salvador-Dalí-Lippenstifte und den Volkslippenstift, der in der Nachkriegszeit für jede Frau erschwinglich sein sollte. Wir haben René Koch besucht und zur aktuellen Ausstellung „Kuss. Von Rodin bis Bob Dylan“ im Bröhan-Museum befragt, durch die er am Abend der Langen Nacht der Museen führen wird. Außerdem wollten wir von ihm wissen, welches Styling er für die Lange Nacht empfiehlt.

Foto: © Lippenstiftmuseum

Herr Koch, 1883 gilt als die Geburtsstunde des Lippenstifts. Sie haben gleich ein Museum aus Ihrer eigenen Lippenstiftsammlung gemacht. Wie kommt man auf so eine skurrile Idee?

Mich faszinieren einfach Kosmetik und vor allem Lippenstifte. Meine Themen sind Mode, Kosmetik und starke Frauen. Schon immer. So interessiere ich mich zum Beispiel auch in der Malerei nicht sonderlich für Landschaften oder Mohnblumen - obwohl die Mohnblumen dann doch wieder mein Interesse wecken, weil sie rot sind und weil sie als Komplementärfarbe auf dem grünen Gras wunderschön sind. Am Ende komme ich aber wieder bei roten Lippenstiften raus. Das ist mein Lebensthema. Ich berate ja auch Frauen als Visagist dazu und wünsche mir, dass sie zu der Einstellung finden, dass das Leben ein einziges Experiment ist und keine Generalprobe. Ich finde für jede Frau das richtige Lippenrot. Nur den Mut, es zu tragen, muss sie selbst aufbringen.

Sie waren 40 Jahre lang Visagist zahlreicher Stars, haben in Berlin, New York und London gearbeitet. In Ihrem Museum sind heute Exponate, Plakate und Rezepturen vom Barock über das 19. Jahrhundert und die Stummfilmära bis zur Nachkriegszeit zu sehen. Wie kommt man an so viele unterschiedliche Lippenstifte aus allen möglichen Epochen?

Das meiste habe ich tatsächlich auf Flohmärkten gefunden. Flohmärkte sind zwar voller Gerümpel, aber ich sehe zwischen hunderten von Vasen und Tellern immer wieder Lippenstifte.

Gibt es noch jemanden außer Ihnen, der sich derart für Lippenstifte begeistern kann und ein ähnliches Vorhaben betreibt? Wir kennen keinen.

Vermutlich bin ich da wirklich der einzige. Obwohl: Ich fände es super, wenn es noch andere gäbe, dann könnte man sich austauschen und auch das, was man mehrfach hat, gleich tauschen. Ich habe mich auch schon in England und in Amerika umgeschaut. Wenn ich jemanden finden würde, der zum Beispiel den Lippenstift von Maxfactor aus dem Jahr 1920 hat und mir einen Tausch anbieten würde, das wäre schon was.

Im Deutschen Spionagemuseum am Leipziger Platz, das letztes Jahr eröffnet hat, gibt es einen Lippenstift mit integrierter Kamera. Wäre der interessant für Sie?

Ja, den kenne ich, und den hätte ich natürlich unglaublich gerne in meiner Sammlung. Ich habe sogar auch einen Lippenstift einer Spionin, schauen Sie mal! Aber die Kamera, die darin war, fehlt leider. Stellen Sie sich vor: Ich würde mir hier am Tisch die Lippen schminken und könnte Sie dabei unbemerkt fotografieren.

Herr Koch, am 19. August findet die diesjährige Lange Nacht der Museen statt. Waren Sie denn schon einmal bei der Langen Nacht der Museen?

Ja, ich habe 2005 im Filmmuseum aus Briefen von Hildegard Knef gelesen. Ich habe Hilde ja 25 Jahre begleitet und habe viele persönliche Stücke von ihr, von den falschen Wimpern bis zum Hochzeitskostüm, das übrigens Uli Richter 1977 für sie  entworfen hat. 2005 gab es eine Ausstellung zu ihr im Filmmuseum mit Leihgaben aus meiner Sammlung. In der Langen Nacht habe ich aus persönlichen Briefwechseln gelesen. Der Ansturm war so groß, dass wir das Ganze viermal wiederholen mussten! Das war unglaublich, wie viele Menschen in dieser Nacht unterwegs waren.

Dann kennen Sie sicher auch die Marlene-Sammlung dort und ihren Schminkkasten mit den unglaublich vielen Fächern?

Ja, der ist toll. Marlene hat ja wirklich alles aufgehoben und ordentlich verwahrt. Man sagt ihr nach, dass sie in dieser Hinsicht wirklich penibel war. Die Sammlung und überhaupt das ganze Museum muss man gesehen haben!

Sie führen in der Langen Nacht der Museen durch die Ausstellung „Kuss. Von Rodin bis Bob Dylan“ im Bröhan-Museum. Sieben Exponate dort stammen aus Ihrer Sammlung. Was hat der Besucher zu erwarten?

Der „Rouge Baiser“, der berühmte Art-Deco-Lippenstift von 1928, ist zum Beispiel dort. Das ist ein unglaublich aufwändig gestalteter Lippenstift. Außerdem hat sich das Bröhan-Museum sechs Kuss-Abdrücke aus meiner Sammlung geliehen, darunter die Abdrücke von Judy Winter und Christine Kaufmann. In der Langen Nacht führe ich gemeinsam mit der Kuratorin Anna Grosskopf durch die Ausstellung. Sie übernimmt den wissenschaftlichen Teil und ich übernehme den Unterhaltungsteil. Und ich habe wirklich zu fast jedem meiner Stücke eine persönliche Geschichte zu erzählen.

Erzählen Sie uns eine, die beste natürlich.

Immer morgens, wenn Hildegard Knef noch ungeschminkt im Bett lag und ich zum Schminken vorbeikam, sagte sie: „Mach mir bloß Farbe ins Gesicht, dass ick weeß, wo vorne is!“ So war sie mit ihrem unverwechselbaren Berliner Humor.


Herr Koch, letzte Frage: Welches Make-up bzw. Styling empfehlen Sie für die Lange Nacht der Museen?

Ich würde den Besucherinnen raten, sich Zeit zu nehmen und sich auf den Abend einzustimmen. Wenn es geht, fangen Sie schon mittags mit einer Gesichtsmaske an. Verstehen Sie die Lange Nacht als ein Happening und als Ihre persönliche Lange Nacht! Wenn Sie zum Beispiel immer schon mal gerne einen Topfhut aufsetzen und sich einen kleinen 1920er-Jahre-Mund mit ausgeprägtem Amorbogen (Lippenherz) schminken wollten, dann ist diese Nacht die richtige Gelegenheit dafür. Verstehen Sie sich als Kunstwerk!

 

Das Interview führte Annette Meier.


Die Tipps von René Koch

 
schließen

    Keine Ergebnisse bei dieser Filterauswahl

    Es wurde nichts ausgewählt

    Bitte wähle erst einen Ort auf der Karte aus!


    Erstellen Sie Ihre eigene Tour

    Meine Tour
    Nach oben